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James bzw. Jim, wie er als Kind allgemein genannt wurde, hat einen älteren Bruder namens Bobby und eine jüngere Schwester namens Linda. Ure ist ein schottischer Name mit dem gemeinsamen Hintergrund der Campbell Familie. Midge dazu: „Die Ures sind von den Campbells, eben diejenigen, die vor ein paar hundert Jahren die MacDonalds besiegten.“ Midge wuchs in einer protestantischen Familie auf, wo die Bedeutung des Abstandes zu den Katholiken, die in der Nachbarschaft wohnten, strikt eingehalten wurde. Sein Vater war (natürlich) ein Fan der Glasgow Rangers und als er einen Plattenspieler kaufte, investierte er hauptsächlich in Rangers Songs, um sie darauf zu spielen. Midge Ure: „Dad kaufte alle Rangers Songs und spielte sie die ganze Zeit.“

Eine größere musikalische Inspiration war für den dreijährigen Midge, Radio Luxemburg zu hören. Begeistert hörte er „Sleepwalk“ von Santo & Johnny. Die erste Single, die sich Midge von seinem eigenem Geld kaufte, war „My Mind Eye“ von The Small Faces (1966).

Sein Vater verdiente durchschnittlich. Seine Mutter arbeitete halbtags in der Hoover-Staubsauger- Fabrik. Dennoch sorgten sie dafür, dass es Ihren Kindern an nichts fehlte. Auch nicht, als sie eine gebrauchte Gitarre für Midge kaufen wollten und dafür einige Monate sparen mussten. Zu Hause gab es zu wenig Platz für Midge, als dass er mit seiner Gitarre üben konnte. So ging er immer zu seiner Großmutter, die am Ende des benachbarten Blocks wohnte. Seine ersten drei Akkorde brachte ihm ein dort wohnender Pfadfinder bei, bis Midge soweit war und sich alles weitere selbst beibrachte.

Als Midge zehn Jahre alt war, verbesserte sich die Situation. Der Vater konnte es sich leisten, ein Auto zu kaufen und die Familie zog in ein neues Stadthaus in Buckingham Drive 9, welches ein wenig näher am Zentrum von Glasgow als Cambuslang lag. „Es war magisch für uns. Alles war neu mit einer richtigen Küche, in der wir uns hinsetzen und unser Abendessen zusammen einnehmen konnten“ so Midge. „Wir hatten drei Schlafzimmer und - das Beste - Toilette und Bad in der Wohnung“.

 


ERSTE MUSIKALISCHE SCHRITTE

Als Midge zehn Jahre alt war, verbesserte sich die Situation. Der Vater konnte es sich leisten, ein Auto zu kaufen und die Familie zog in ein neues Stadthaus in Buckingham Drive 9, welches ein wenig näher an das Zentrum von Glasgow als Cambuslang lag. Midge Ure: „.Es war magisch für uns, alles war neu, eine richtige Küche, wo wir uns hinsetzen und unser Abendessen zusammen einnehmen konnten. Wir hatten drei Schlafzimmer, und – das Beste - eine Toilette und ein Bad in der Wohnung“. Als 11-jähriger fing Midge an, in Clubs zu gehen, wo er er die Chance bekam, Gitarre zu üben. Hier traf er Jim Potter, der ein enger Freund von ihm war und das nicht nur musikalisch. Sie sahen sich als die nächsten McCartney´s / Lennon´s. Die Beatles waren für beide große Vorbilder – nicht nur im musikalischen Sinne, sondern auch wegen ihres Images und mit ihren aufregenden Kostümen. Midge Ure: „Musik ist mit der Mode Hand in Hand gegangen seit es die Beatles gab.“ Auch Midge´s großer Bruder Bobby war ein guter Freund für ihn. Nicht zuletzt, weil er und sein Talent für Karate ständig Midge aus der Patsche half, sobald er in Schwierigkeiten geriet. Es war auch Bobby, der Midge eine Sängerin in einer Band anbot, anstatt „nur“ Gitarre zu spielen. Als 14-jähriger waren es Eric Clapton, John Mayall und Peter Green, die den jungen Midge inspirierten. Zu dieser Zeit trat er mit seiner ersten Band (ohne Namen) auf. Zusammen mit den Brüdern an und Frazer Gordon. Midge kaufte sich auch seine erste elektrische Gitarre, eine 1960 Stratocaster. Die nächste Band in der Midge spielte nannte Stumble. Der Name wurde von einem John Mayall Song inspiriert. Midge Ure: „Wir spelten nur Blues Nummern und zwei aktuelle Pop-Songs.“ Die Band wurde 1969 gegründet bestand aus Gordon Appacellie - Gesang, Alan Wright - Gitarre, Alec Baird - Schlagzeug, Kenny Irland - Bass und Fraser Spiers - Harfe! Stumble spielte in einer Gegend von Glasgow, die sehr häufig mit einer deprimierenden Erfahrung endete. Gewalt herrschte an eben diesen Plätzen, wo sie auftraten. Jugendbanden, bewaffnet mit Messern, Rasierklingen und Hämmern, schlugen sich gegenseitig.

Midge errinert sich: „Ich stand auf der Bühne und spielte quasi den Soundtrack zu zwei Kämpfen. Die goldene Regel war, nie aufhören zu spielen, egal was passiert.“ Stumble wurde 1971 aufgelöst. Anschließend besuchte Midge die Cambuslang Primary School. Ironischerweise, aufgrund seines zunehmenden Interesses an der Musik, hielt er sich nicht lange mit den Hausaufgaben auf, sondern zeichnete Gitarre oder Verstärker in die ihm vorliegenden Schulbücher. Dies führte schon mal dazu, dass er vom Lehrer eine hinter die Löffel bekam. Später wechselte er an die School of Fine Arts Rutherglen Academy, die auch sein Bruder Bobby besuchte. Midge konnte an der Schule angenommen werden, da sein IQ-Test sehr gut ausfiel. Nach Beendigung der Rutherglen Schule hatte Midge das Glück, einen Job bei den National Engineering Laboratories in East Kilbride zu bekommen. Es gab 500 Bewerber für gerade mal 10 gut bezahlte Jobs. Midge Ure: „Es war einer der besten Jobs, die ich möglicherweise bekommen hatte, direkt am oberen Ende der Arbeiterklasse. Aber irgendwann schließlich würde ich bequem werden mir ein kleines Haus leisten und eine Familie, außer, was ich wirklich wollte: „Musiker werden.“ Midge bekam die Chance, bald von der Musik leben zu können. Als er im Jahr 1972, 18 Jahre alt war, trat er der damals beliebten schottischen Band Salvation bei. Salvation hatte sich ein Jahr zuvor gebildet und galt alsbald als eine Art Super-Scottish-Group, die vom ihrem charismatischen Sänger Kevin McGinlay angeführt wurde.

Zu der Zeit wurden sie von den Fans wie die andere schottischen Band z.B. Nazareth, anerkannt. Im Jahr 1972 gab es einige, die entschieden die Band zu verlassen, so dass die Band einen neuen Keyboarder, Schlagzeuger und einen Gitarristen benötigte. Midge bekam ein Angebot, der Band als Gitarrist März 1972 beizutreten, denn es wurde ihm versprochen, einige Wochen gute Gage zu bekommen, was Midge fantastisch fand. Entgegen der elterlichen Enttäuschung beschloss er, die Arbeit im Labor zu kündigen und Vollzeit-Musiker zu werden. Auch Schlagzeuger Kenny Hyslop und Keyboarder Billy McIsaac traten 1972 Salvation bei. Kenny Hyslop und Midge freundeten sich schnell an, nicht zuletzt wegen ihres Geschmackes, was cool als Klamotten zu tragen ist . Midge Ure: „Als ich zum ersten Mal Kenny traf und wir beide Cowboy- Shirts und diverse Anstecknadeln trugen, dachte ich, das ist es; er ist mein Seelenverwandter“.

 

 

WIE AUS JAMES/JIM DANN MIDGE WURDE


Kevin McGinlay war der Sänger und Gitarrist: „Ich war nicht daran interessiert, Gitarre zu spielen“. Bereits beim Vorsprechen mit Midge war klar, dass er ihn von Stumble nehmen wollte. Bruder Kevin spielte Bass in der Band und rief immer Jim zu seinem Bruder. Tatsache war, dass die Band nicht daran interessiert war, mit zwei Jim‘s, zu spielen. So hat man gleich bei der ersten Probe klar gemacht, das es nur einen Platz für einen Jim in der Band gab und der hieß Jim McGinlay. Er schlug vor, statt dass sie den Namen Jim nehmen und diesen rückwärts zu schreiben. So war es Mij und Mij wurde auch „Mücke“ ausgesprochen. Von da an war der „neue“ Name perfekt. Midge Ure. Da Midge auch das Wort für Mücke ist, so Midge Ure, passte dieser „Spitzname“ auch auf seine 1,69 cm Körpergrösse und dem Umstand, dass er seinerzeit der jüngste in der Band war. Leider sind die Dinge nicht so gelaufen wie, Midge es sich gedacht hatte, als er noch Mitglied bei Salvation war. Erstens bekam er nicht das Gehalt, was man ihm versprochen hatte; zudem war es ziemlich schwer, Gigs außerhalb des ländlichen Schottlands zu finden. Ihr Agent hatte zwar Verbindungen nach England, doch in der Metropole Glasgow fehlten geeignete Konzerthallen. Burns Howf and Electric Garden gehörten zu den wenigen, die geeignet waren. Midge Ure: „Wir waren am Ende der Nahrungskette, keiner von uns hatte Lohn für eine längere Zeit .“ Es gab auch keine Plattenfirma in Schottland, die die viel versprechenden Bands aufnehmen und ihnen einen Vertrag geben würden. Viele gingen nach Süden bis London, ohne Erfolg. Erst nachdem die Bay City Rollers Erfolg hatte, richteten die Londoner Plattenfirmen ihre Augen gen Norden, nach Schottland. Nach sechs Monaten, entschied man sich, den Namen zu ändern. Es war der Manager der Band Max Langdon, der indirekt mit dem Namen kam. Er würde der Band einen Kredit für die neuen Songs, die sie aufgenommen hatten, geben. Midge Ure. „Wir dachten an, Slick‘, nahmen das ‚C‘ raus, und hatte einen neuen Namen“.

Das erste Konzert fand am 23. Dezember 1974 im Glasgower Apollo statt, mit neuen Bandnamen. Midge und Kenny wollten das Image der Band etwas ändern. Langes Haar war out, und inspiriert durch den Film „Dirty Harry“ beschlossen sie, den gleichen Haarschnitt wie Clint Eastwood zu tragen. In London war es zu dieser Zeit populär sich zu kleiden, alles was damals in den „second hand“ Läden zu finden war und Stil hatte. Inspiriert von einem Glasgower Geschäft, weches Baseball-Kleidung aus den 50er Jahren verkaufte, wurde die Grundlage für das neu Outfit für „Slik“ Dies war in Midge‘s Augen „Teeniebob“, was an die Bay City Rollers erinnerte - eine Band, die in all den Jahren von Midge als Scherz angesehen wurde. Midge Ure: „Für jeden, der auf dieser Rennstrecke fährt, war es ein Witz“. Eines Tages als Midge mit dem Auto unterwegs war und den Band Transit des berühmten Bassisten Phil Lynott sah, hielt er den Wagen an und Midge kam mit Phil ins Gespräch. Midge war ein Fan von Lynott und Lizzy und seiner ehemaligen Band Skid Row. Die beiden verstanden sich auf Anhieb. So lud Midge Phil nach Hause zu seinen Eltern ein und beide nahmen einen Bissen. Dabei bekam Midge die Chance, etwas Gitarre mit ihm zu spielen, worauf er sehr stolz war. Midge und Lynott blieben all die Jahre weiter in Kontakt, worauf eine Freundschaft folgte, welche sich für beide als wertvoll erweisen sollte. Dem Teenpop überdrüssig schloss er sich dem Ex- Pistols Bassisten Glen Matlock an und spielte als dann bei den Rich Kids. Dort sammelte er auch die ersten Erfahrungen mit Synthesizern. Als Midge nach nur einem Jahr die Kids wieder verließ widmete er sich mit Rusty Egan der elektronischen Popmusik. Neben den nicht mehr genutzen Studiozeiten bei den Rich Kids, nahmen beide den alten Song „In The Year 2525“ von Zager & Evans auf, der später auch im Repertoire einiger Visage Tonträger Platz fand. Der Auftakt zu einer unverwechselbaren Kariere begann. Dies begünstigte auch seine engen Freundschaften zu diversen Musikern, die ihn als einen aussergewöhlichen Musiker schätzten und ihn gerne mit in ihre Musik intergrierten.

 

So sprang er im Sommer 1979 auf Bitte seines Freundes Phil Lynott bei einer USA-Tournee und einigen Gigs in Asien für den ausgestiegenen Gary Moore ein. Midge schrieb selbst einige Titel für Thin Lizzy und wohl das bekannteste „Yellow Perl“ welches er mit Phil Lynott aufnahm. Rusty Egan war als Drummer mit von der Partie; und der Song wurde zum Hit und diente jahrelang als Titelstück für die bekannte UK- TV Sendung „Top of The Pops“. 1978 gründete er zusammen mit Rusty Egan und Steve Strange die New-Romantic- Band Visage. Eine reine Studioband, die die neue New Romantic Welle und ihre Clubs mit tanzbaren Elektroklängen einheizten. Selbst Halbgott David Bowie war so angetan, dass er eines abends den Blitzclub besuchte und einige Protagonisten, die im Club verweilten, unter anderem auch Steve Strange, zu seinem Videodreh „Ashes To Ashes“ einlud. Der Durchbruch war die Veröffentlichung von „Fade To Grey“ und das Zusammentreffen mit Billy Currie, der nach dem Ultravox! Split zunächst mit Gary Numan auf Tour war. Und so entwickelte es sich, dass Midge bei Ultravox einstieg. Auch schon in der Schaffensphase von Ultravox produzierte er diverse Künstler, was er auch nach seinem Ausstieg bei Ultravox weiter verfolgte. Zudem betätigte er sich als Regisseur, indem er für verschiedene Bands wie u.a. Fun Boy Three, Banarama und natürlich Ultravox die Videos produzierte. Für den Film „Went To Coney Island“ schrieb er 1998 seinen ersten Soundtrack.

 

 

PRIVATES


Midge lernte seine erste Frau, die britische Schauspielerin Annabel Giles, 1984 beim Videoedreh zum Lament-Video kennen und 1985 geheiratet, worauf zwei Jahre später Tochter Molly „McQueen“ geboren wurde. 1987 ließen sich Midge und Annabel wieder scheiden. Midge heiratete 2003 erneut und ist seitdem mit Sheriden Forbes verheiratet. Die Familie lebt jetzt mit ihren drei Töchtern in Box nahe Bath im Südwesten Englands.

 
 

SLIK UND DIE RICH KIDS

Im Jahr 1975 hatte Midge ein seltsames Erlebnis. Eines Tages, als er zu Fuß im Zentrum von Glasgow unterwegs war, wurde von einem Mann mit Londoner Akzent aus dem Auto heraus angesprochen: „Es geht um Musik.“ Im Auto saß ein fremder Kerl mit roten lockigen Haaren. Er sagte, dass er Manager der berühmten Band New York Dolls und The Strand sei. Er stellte sich als Malcolm McLaren vor. Später wurde The Strand bekannt, als sie um 1975 ihren Namen in The Sex Pistols änderten. Midge lehnte das Angebot ab, Sänger der Sex Pistols zu werden. Midges Ablehnung Malcolm McLaren und den Sex Pistols gegenüber ist in die Geschichte der Musik eingegangen. Midge hat dies nie bereut und meinte „McLaren hatte Glück, als er John Lydon gefunden hatte. Es hätte nie ohne Lydon geklappt - und mit mir als Sänger, keine Chance.“ Zudem war Midge bei Slik weiterhin Vertraglich gebunden.

Das Produktionsteam Phil Coulter und Bill Martin wurde auf Slik aufmerksam und nahmen sie bei Polydor unter Vertrag. Mit ihrer Kleidung im US-College-Stil in Baseballhemden, Turnschuhen und entsprechenden Kurzhaarfrisuren sollten sie den Gegenpol zu den Bay City Rollers aus Edinburgh mit ihrem schottischen Outfit im Tartanmuster bilden. Auch dort waren Coulter und Martin ein Jahr zuvor bereits erfolgreich involviert. Slik hingegen ließ von dem Film „That’s Entertainment“ in Sachen Selbstdarstellung inspirieren.

Und das Konzept ging auf, da das neue Erscheinungsbild für Aufsehen sorgte. Hinzu kam der für die Musik der Band charakteristische Klang der sakralen Orgel. Ein Element, das zu diesem Zeitpunkt neu war und somit ein kontrastreiches Ausrufezeichen im Vergleich zu allen anderen Teenie-Bands dieser Ära setzte. Nach einem ersten Fernsehauftritt am Neujahrstag 1973 gab es dann den ersten Hit der Band. Mit „Forever And Ever“, einer Cover-Version der englischen Band Kenny, die Coulter und Martin ebenfalls produzierten, verdrängten sie am 11. Februar 1976 Abba‘s „Mamma Mia“ von der Spitze der britischen Charts. Die Presse feierte Slik bereits als neuen Stern am Pophimmel und prophezeite ihr eine erfolgreiche Zukunft. „Die Gruppe wird im Teenie-Markt ganz schön aufräumen“, so der New Musical Express.

 
Die von der Presse prognostizierte Karriere verlief im folgenden Jahr weit weniger steil. Die Folgesingles „Requiem”, „The Kid’s A Punk“, „Don’t Take Your Love Away“ und „Dancerama“ konnten an den Erfolg von „Forever And Ever“ nicht anknüpfen. Zudem fühlte sich Midge musikalisch mehr und mehr eingeengt. Während der ersten Konzerte, wie zum Beispiel im Glasgower Apollo Theatre, bot sich aufgrund vorherrschender Hysterie noch der Ausnahmezustand. Doch schon wenig später flauten das Interesse und auch der Kartenvorverkauf stark ab. Unter dem Vorwand, Midge habe sich den Arm gebrochen, wurde die Notbremse gezogen und Konzerte abgesagt. Nach zwei Alben und sieben Singles war es dann auch vorbei.

 

Die Nase von Teen-Pop voll, widmete Midge sich einem neuen Projekt und stieg bei den Rich Kids ein. Dort traf er unter anderem auf Glen Matlock, den ehemaligen Bassisten der Sex Pistols, sowie Rusty Egan am Schlagzeug. Dazu kam Gitarrist Steve New, der 1975 ebenfalls schon bei den Sex Pistols tätig war, sein Engagement jedoch am Band-Manager Malcom McLaren scheiterte. Auf der Suche nach einem Sänger stießen sie letztendlich auf Midge Ure, nachdem kurze Zeit Namen wie Paul Weller, Howard Devoto, Kevin Rowland und Mick Jones im Gespräch waren.

Mit Mick Jones gab es auch einige Auftritte, doch entschloss sich dieser aufgrund musikalischer Unzufriedenheit zur Rückkehr zu seiner ursprünglichen Band The Clash. So kam es, wenn auch etwas verspätet, doch noch zur Zusammenarbeit zwischen Glen Matlock und Midge Ure. Aufgrund der Tatsache, dass Slik nicht mehr existierte und somit auch keine vertraglichen Probleme mehr bestanden, stieg Ure bei den Rich Kids ein. Vertraglich kam man bei EMI unter. Dort stand Matlock früher bereits mit den Sex Pistols schon unter Vertrag, welcher 1977 aber aufgrund fehlender Umsätze annulliert wurde. Im Januar 1978 erschien mit „Rich Kids“ die erste Single und konnte sich auf Platz 24 der Charts platzieren. Die Folgesingles „Marching Men“ und „Ghosts Of Princes In The Towers“ konnten an den Erfolg jedoch nicht anknüpfen.

Das im August 1978 erschiene Album „Ghosts Of Princes In The Towers“, bei dem auch Ian McLagan von den Small Faces mitarbeitete, stieg auf Platz 51 der Charts ein, um in der Folgewoche bereits wieder aus den Top Einhundert zu fallen. Grund für negative Rezensionen war der düster anmutende Sound des Produzenten Mick Ronson. Schon während der Aufnahmen des Albums kam es zu Differenzen zwischen Ure sowie New und Matlock, weil deren Ansichten doch ziemlich auseinander gingen. Matlock und auch Steve New konnten sich mit der pop-orientierten Ausrichtung Ures nicht anfreunden, was spätestens nach dessen gesteigertem Interesse an Synthesizern zur Trennung führte. Die offiziell im Frühjahr verkündigte Auflösung der Band fand tatsächlich bereits im Dezember 1978 statt. Am 7. Januar 2010 gab es zugunsten des an Krebs erkranktem Steve New ein Benefizkonzert der Rich Kids. Am 24. Mai 2010 erlag New seinem Krebsleiden.

 

 
 

MIDGE UND MICK KARN

Während seiner Tätigkeit bei Ultravox nutzte Ure zwischendurch immer wieder die Möglichkeit, eigene Songs - mitunter auch in Kooperation mit anderen Künstlern - zu veröffentlichen. 1982 erschien seine erste Solo-Single „No Regrets“, eine Coverversion von den Walker Brothers. Ursprünglich wurde der Song 1968 von Tom Rush geschrieben. Die B-Seite war das Instrumentalstück „Mood Music“. Recht erfolgreich hielt sich der Song zehn Wochen in den Charts und erreichte dabei am 12. Juni 1982 mit Platz 9 die höchste Platzierung. Mit diesem Song trat er auch zum ersten Mal als Gastmusiker beim Benefizkonzert „The Prince’s Trust“ live auf. Zwischenzeitlich beendeten sowohl Midge Ure als auch Billy Currie ihr Engagement bei Visage.

"I think Mick‘s influenced everybody. Until I heard Japan, I had never heard a bass guitar played like that; it was almost like playing a lead instrument, incredibly percussive and melodic, something that inspired me.“ Midge Ure.

Im Jahr 1982 veröffentlichte Mick Karn sein erstes Solo-Album auf Virgin „Titles“. Sein einzigartiger Stil hatte Musiker unterschiedlicher Genres auf ihn aufmerksam gemacht und sie wollten Micks Beitrag den eigenen Arbeiten hinzufügen. Von Jeff Beck über Gary Numan und unzähligen anderen Top-Künstlern. Im selben Jahr wurde er von Pete Townshend gefragt, ob er Teil einer All-Star Band sein möchte. Es ging um das erste Prince‘s Trust Gala Konzert an dem auch Prinz Charles und Lady Diana teilnahmen. Pete Townshend erklärte gegenüber der Presse, dass Mick Karn der mit Abstand beste Bassist Großbritanniens sei und somit die richtige Wahl für diesen Gig. So standen 1982 Ure und Karn im Rahmen des Princes Trust Konzerts bereits zusammen auf der Bühne und spielten dort u. a. Ures damalige Single „No Regrets“.

Mick Karn stapelte tief und meinte, er könne es sich nicht vorstellen, der Beste am Bass zu sein. Zumal er nicht einmal Noten lesen könne, so dass er technisch mit Sicherheit nicht der Beste, aber Originellste sei. Aber da noch niemand zuvor jemanden in einer ähnlichen Art und Weise spielen hörte, hinterließ Karn einen bleibenden Eindruck bei der Veranstaltung, der später zu kollaborativen Arbeiten mit anderen Musikern führte.

Mick und Midge wurden Freunde und planten eine gemeinsame Single auf dem Markt zu bringen. Die Pause zwischen „Quartet“ und „Lament“ bei Ultravox nutzte Ure, um zusammen mit Mick Karn (von Japan) „After A Fashion“ aufzunehmen. Auch hier handelt es sich bei der B-Seite mit „Textures“ um ein weiteres Instrumentalstück. „After A Fashion“ hielt sich für vier Wochen in den Charts und erreichte am 9. Juli 1983 mit Platz 39 die höchste Platzierung. Für den Dreh des entsprechendes Videos reisten beide - der orientalischen Stimmung des Songs entsprechend - extra nach Kairo.

Es folgten noch einige gemeinsame Aufnahmen. Mick begleitete Midge auf seinen Alben „Answers To Nothing“ und dem Folgealbum „Pure“. Zudem veröffentlichte Midge eine Eigenproduktion „Little Orphans“, das gänzlich aus Demo-Aunahmen besteht. Hierbei spielen neben Karn auch Richard Barbieri und Steve Jansen mit. Zudem unterstützte Karn Ure bei der Produktion des Albums „Dear God“ des Japaners Yuki Ryoichi.

Mick Karn heißt mit bürgerlichem Namen Anthony Michaelides und wurde am 24. Juli 1958 in Nikosia auf Zypern geboren. Nachdem er sich zunächst mit klassischen Instrumenten wie Fagott und Klarinette befasste, widmete er sich anschließend dem Bass. Zusammen mit David Sylvian, Steve Jansen, Richard Barbieri und Rob Dean gründete er 1974 Japan. Unter dem Einfluss der Musik von The New York Dolls, Roxy Music und David Bowie wurden mit „Adolescent Sex“ und „Obscure Alternatives“ 1978 die ersten beiden Alben veröffentlicht. In Japan, den Niederlanden und auch in Kanada war die Musik nicht nur populär, sondern die Alben auch kommerziell erfolgreich. Im heimischen Großbritannien hingegen musste sich die Band von der britischen Musikpresse vorwerfen lassen, altmodisch zu klingen. Vielleicht war das ein Grund dafür, dass mit „Quiet Life“ 1979 eine neue Richtung eingeschlagen wurde. Elektronische Klänge durch den Einsatz von Synthesizern prägten im Zusammenspiel mit Jansens aufwendigem Drum-Spiel, Deans atmosphärischer Gitarre und Karns speziellem Fretless-Bass den neuen Band-Sound. In diesem Stil ging es mit „Gentlemen Take Polaroids“ 1980 und „Tin Drum“ 1981 weiter. Zeitlich gesehen rutschte Japan zwangsläufig in die Szene der New Romantic, obwohl das eher ein unbeabsichtigter Nebeneffekt war. „Tin Drum“ bekam in Großbritannien ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und positive Resonanz. Insbesondere die Verwendung abendländischer und orientalischer Elemente wurde als innovativ angesehen und so kletterte das Album bis auf Platz 11 der Albumcharts. Die Single „Ghosts“ schaffte es sogar bis auf Platz 5. Rob Dean war zu dieser Zeit schon nicht mehr bei Japan. Dennoch war das Ende der Band aufgrund andauernder Spannungen unter den Bandmitgliedern nur eine Frage der Zeit. Die letzten Konzerte fanden im November 1982 im Londoner Hammersmith Odeon statt; das letzte Konzert am 16. Dezember 1982 in Nagoya, Japan. Das Londoner Konzert wurde aufgezeichnet und als Album „Oil On Canvas“ veröffentlicht. Es war mit Platz 5 der Album-Charts das erfolgreichste Album.

Zwischenzeitlich arbeitete Mick Karn 1981 schon an Gary Numans Album „Dance“ mit. In den Folgejahren arbeitete er unter anderem mit Peter Murphy (Dalis Car), Steve Jansen, Kate Bush oder auch Joan Armatrading. 1991 kam es kurzfristig zu einer Reunion von Japan, doch am Veto von Sylvian scheiterte es, dass das musikalische Ergebnis unter dem ursprünglichen Bandnamen veröffentlich wurde. Gegen Ende brach der mündliche Kontakt zwischen ihm und dem Rest der Band ab und die Songs wurden Ende April 1991 unter dem Namen „Rain Tree Crow“ veröffentlicht. Während dieser Zeit gründeten Karn, Jansen und Barbieri das Label Medium. Zusammen arbeiten sie auch mit an Micks Alben „Bestical Cluster“ (1993) und „The Tooth Mother“ (1995). Am 4. Januar 2011 erlag Mick Karn in London seinem Krebsleiden. Ein Benefizalbum zwecks Unterstützung seiner Familie erschien unter dem Titel „A Show Of Love, Respect & Grace - A Tribute To Mick Karn“.

Wie erwartet waren die Fans und vor allem Midge schwer getroffen von der Nachricht über Mick´s Tod. So postet er auch heute noch regelmäßig auf seiner Facebook-Seite, wie sehr er seinen Freund vermisst.

 
 

AUSZEICHNUNGEN & SPEZIELLE PROJEKTE


21. März 2005 „Inspirational Hero Award“ Midge erhielt den Award der schottischen Zeitung „Daily Record“ für sein unerbittliches Streben, den ärmsten Nationen der Welt zu helfen.


27. Mai 2005 „Ivor Novello Award“

Die Single „Do They Know It‘s Christmas?“, geschrieben von Midge Ure und Bob Geldof, gesungen von „Band Aid 20“ gewann den „Ivor Novello Award“ für die bestverkaufte UK-Single.


12. Oktober 2005 „Doktor der Künste“ (Abertay-Universität in Dundee)

Für seine humanitäre und künstlerische Arbeit der letzten 30 Jahre, insbesondere seine Vorreiterrolle bei der Einbindung von Technologie in die Musik- und Videokunst.


18. Oktober 2005 „Officer of the Order of the British Empire (OBE)
Erhoben zum OBE als Anerkennung und Würdigung für seine Verdienste um die Musik und die Afrikahilfe von Königin Elisabeth II.


21. November 2005 „Auszeichnung“ (Glasgow)
Preis für sein Lebenswerk von der Nordoff-Robbins-Stiftung im Rahmen der Tartan Clef Awards.


21. Juni 2006 „Doktor der Musik“ (Universität von Edinburgh)
Für seine besonderen Verdienste für die britische Popmusik.


29. Juni 2007 „Doktor“ (Universität von Paisley)
Für seinen Beitrag für die schottische Kultur und seine humanitäre Arbeit.


26. November 2008 „Doktor der Musik“ (Glasgow Caledonian Universität)
In Anerkennung für seine musikalischen und humanitären Leistungen


14. Dezember 2010 „Doktor der Rechtswissenschaften“ (Universität Bath)
In Anerkennung seiner musikalischen Leistungen und seiner humanitären Arbeit von der Universität der Stadt Bath verliehen, in der Midge seit 1994 lebt.