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Part2
 

SOZIALES ENGAGEMENT

Mit Bob Geldof schrieb Midge 1984 „Do They Know It’s Christmas?“, die mit dreieinhalb Millionen Exemplaren bestverkaufte Single in Großbritannien der achtziger Jahre und die rund zwölf Millionen Euro einbrachte, um die Hungersnot in Äthiopien zu bekämpfen. Ein halbes Jahr später folgte am 13. Juli 1985 das aus dem Erfolg Band Aid Projekt geborene Benefiz-Konzert „Live Aid“, welches von rund zwei Milliarden Menschen am TV verfolgt und wieder von Bob und Midge initiiert wurde.

Von 1986 bis 1988 war Midge musikalischer Direktor für den „Princest Trust“. Diese Konzerte unterstützen benachteiligte Jugendliche und junge Erwachsene. Schirmherr dieser Veranstaltung ist der „Prince of Wales“, Prinz Charles. Auch beim Benefizkonzert mit der Aufforderung zur Freilassung des inhaftierten Nelson Mandelas an dessen Geburstag am 11. Juli 1988 trat Midge Ure live auf und spielte dort „Dear God“.

Besonders engagiert ist Midge als Botschafter für die Kinderhilfsorganisation „Save The Children“, welches die größte unabhängige Kinderrechtsorganisation der Welt ist. Hierdurch soll die Lebensqualität der Kinder weltweit und sofort durch mehr ärztliche Betreuung und ein selbstbestimmtes Aufwachsen verbessert werden. Die Organisation ist in einhundertzwanzig Ländern tätig. So reiste Midge in den letzten Jahren in die betroffenen gebiete, um eben diese Kinder und Einrichtungen zu besuchen.
Siehe http://www.savethechildren.de.

Midge engagiert sich neben all seinen sozialen Verpflichtungen auch für die der Nordhoff Robbins Organisation. Eine Musik-Therapie, die auf die Wiederherstellung, Erhaltung und Förderung seelischer, körperlicher und geistiger Gesundheit abzielt. Das geschieht sowohl passiv durch das reine Hören der Musik als auch aktiv, indem der Patient zum Musizieren motiviert wird. Die Nordhoff Robbins Organisation ist auch in Deutschland tätig.

 
 

BAND AID

Bob Geldof war es, der unbedingt etwas machen wollte, um auf die schrecklichen Zustände in Afrika hinzuweisen und helfen zu wollen. Er hatte eine TV-Dokumentation über die verheerende Dürrekatastrophe und Hungersnot in Äthiopien gesehen und war entsetzt und beschämt zugleich. Er rief seine damalige Freundin und TV-Kommentatorin Paula Yates an, weil er einen Haustürschlüssel nicht finden konnte. Zu diesem Zeitpunkt war Midge nach einer gemeinsamen Sendung und einem der letzten gemeinsamen Auftritte von Ultravox, um The Collection zu promoten, bei Ihr in der Garderobe. Paula drückte ihm den Hörer in die Hand und sofort erzählte Bob Geldof, was er gesehen hat und dass er helfen möchte. Midge stimmte zu.


So trafen sie sich und kamen zu der Einsicht, dass das Schreiben eines neuen Songs unter Mithilfe einiger Freunde am effektivsten wäre, um ein paar hunderttausend Pfund zu sammeln. Bob dachte dabei an Lennons „Happy Christmas, War Is Over“. Allerdings waren sich beide zunächst unsicher, wer den Song denn überhaupt schreiben soll. Dennoch begann Bob, die Musikszene nach Leuten abzusuchen, die das Projekt unterstützen könnten. Der erste war demnach Midge.

Nachdem feststand, dass es passieren würde, rief Bob Sting an, der ohne zu zögern zustimmte. Währenddessen schnappte sich Midge ein Casio Keyboard und suchte in der Küche seines Hauses nach einer Eingebung für einen Song. Er schickte ihn Bob, und einen Tag danach saßen sie zusammen in Midges Studio. Bob hatte noch eine Songidee, die mit den Boomtown Rats nicht umgesetzt wurde. Sie nahmen Fragmente auf, mit denen Midge anschließend ein Arrangement erstellen wollte. Auf der Suche nach einem Produzenten wandte sich Bob an Trevor Horn. Er selbst hatte zwar keine Zeit, doch stellte er ihnen für einen Tag eines seiner Studios zu Verfügung. Somit wurde Midge Ure auch die Rolle des Produzenten aufgetragen. Fünf Wochen vor Weihnachten musste der Song innerhalb einer Woche geschrieben, aufgenommen, gemischt, gepresst und in die Läden gestellt werden. Bob und Midge schrieben den Song gemeinsam zu Ende. Bob konnte Peter Blake überzeugen, das Cover für die Singe zu entwerfen.


Neben der Kontur Afrikas sowie Messer und Gabel daneben, zierte der Aufruf „Feed The World“ das Layout. Die primären Aufnahmen wurden bereits in Midges’ Studio in Chiswick aufgenommen. John Taylor von Duran Duran spielte den Bass und Sting sang seine Zeilen ein. Der Text stammt fast vollständig von Geldof. Midge hatte lediglich das Wort „Ethiopia“ als potenziellen Zungenbrecher durch „Africa“ ersetzt. Während Midge sich um den musikalischen Part kümmerte, war Bob mit den geschäftlichen und organisatorischen Dingen beschäftigt. Seine größte Aufmerksamkeit schien es dabei zu sein, Boy George dazu zu bewegen, aus den USA zu den anstehenden Aufnahmen anzureisen. Ansonsten würde er der ganzen Welt erzählen, dass er für das Scheitern des Projektes verantwortlich wäre. Um 8 Uhr am Sonntagmorgen waren Midge und Bob als erste im Studio an der Portobello Road. Während sich vor dem Studio bereits die Presse positionierte, war es innen noch komplett leer. „Wenn nur Ultravox und die Boomtown Rats da sind, wird das eine verdammt trübe Aufnahme“, so Bob zu Midge. Doch sie kamen alle: Paul Young, Spandau Ballet, U2, Wham, Duran Duran, Banamarama, Status Quo und viele andere; auch Culture Club, allerdings ohne Boy George. Also rief er ihn in den USA an, wo es noch sechs Uhr am Morgen war und befahl ihm förmlich, sich in die nächste Concorde zu setzen. Er kam. Und die Angst davor, dass bei derart geballter Prominenz die Egos für schlechte Stimmung sorgen würden, erwies sich als unbegründet. Jeder war für die Sache da und stellte die eigenen Eitelkeiten hinten an. Ein Catering gab es nicht. Wer was essen oder trinken wollte, musste sich selbst etwas organisieren. Ure hatte aber ein ungutes Gefühl. Zum einen, weil die meisten der anwesenden Leute den Song noch nicht gehört hatten und vor allem, weil er nicht einschätzen konnte, ob er ihnen überhaupt gefallen würde. Schließlich waren sie deshalb anwesend, weil Geldof sie eingeladen hatte.

Doch auch diese Angst erwies sich als überflüssig. Selbst wenn jemandem der Song nicht gefiel, so hatte er im Sinne der Sache seine Meinung darüber für sich behalten. Der Refrain des Songs war relativ schnell eingesungen. Durch mehrfache Doppelungen klang er am Ende so, als würde ein gigantischer Chor „Feed The World“ und „Let Them Know It’s Christmas Time“ singen. Komplizierter wurde es bei der Vergabe und Aufteilung der Strophen. Es waren zu viele Sänger anwesend, als das jeder einen Part hätte singen können. Tony Hadley machte den Anfang und sang seinen Part ein. Es folgte Paul Young, der den Song mit seinem Part eröffnete. U2 war zu dieser Zeit eine aufstrebende Band, aber noch keine Superstars. Dennoch scheute sich Bono nicht, nach der genauen Bedeutung seiner Zeile „Thank God It’s Them Instead Of You“ zu fragen. Bono erklärte ihm, dass da keine Metapher hinter steckt. Sie soll genau das zum Ausdruck bringen: „Sei froh, dass es die Anderen sind und nicht Du.“ Er ging zu den Kopfhörern und sang diese Zeile eine Oktave höher als im Demo und so voller Inbrunst, dass Midge und Bob fast erschraken. Gleich der erste Versuch saß und kam auf Platte.

Der Tag verging und der Stresspegel stieg. Obwohl der Song bereits synthetische Drums besaß, baute Phil Collins sein Drum-Set auf. „Ihr braucht einige echte Drums“, so sein Kommentar. Obwohl keine Zeit dafür war, wirft man einen Phil Collins dann doch nicht einfach raus. Nach sechs Stunden des Wartens spielte er eine Spur ein. Er war aber nicht zufrieden und spielte eine zweite, weniger anspruchsvolle Spur ein. Das war es. Nach acht Minuten effektiver Arbeit packte er zufrieden ein, seinen Teil beigetragen zu haben. Am Nachmittag tauchte endlich Boy George auf. Bob war sich dessen so sicher, dass er Strophenparts für ihn reserviert hielt. Zwischenzeitlich musste Midge Bob auch energisch darauf hinweisen, dass jemand, der nicht wirklich gut singen könne, es anderen nicht erklären kann. Ab diesem Punkt hatte Midge am Mischpult seine Ruhe. Sogar Trevor Horn gab sich die Ehre und brachte Ideen ein. Die waren allerdings aus akutem Zeitmangel absolut nicht realisierbar.

Nachdem die Aufnahmen gemacht waren, wollte sich Midge dem eigentlichen Prozess des Mischens widmen. Doch das gestaltete sich äußerst schwierig, weil keiner der Anwesenden gehen wollte. Sie feierten eine Party in einer Besetzung, die es bis dahin noch nie gegeben hatte. Erst gegen Mitternacht waren dann alle soweit verschwunden. Da es sich um eine Single handelte, musste auch auf die B-Seite etwas drauf. Midge packte sämtliche Weihnachtsgrüße drauf, die entweder den Tag über im Studio oder per Telefon aufgenommen wurden. Am markantesten war sicher folgende: „It’s Christmas 1984 and there are more starving folk on the planet than ever before.” Gesprochen wurden sie von David Bowie. Um 8 Uhr morgens waren die Arbeiten fertig. Als letztes sprach Bob Geldof seinen Part für die B-Seite: „Diese Platte wurde am 25. November 1984 aufgenommen. Wir haben jetzt 8 Uhr morgens am 25. November. Wir waren 24 Stunden hier und ich denke es ist Zeit, nach Hause zu gehen.“

Im Laufe der folgenden Woche wurde „Do They Know It’s Christmas“ veröffentlicht und stand in unzähligen Ländern an der Spitze der Charts. Das Projekt Band Aid hatte begonnen. Dabei werden die Namen Bob Geldof und Midge Ure immer im Zusammenhang mit Band Aid gebracht, doch der von Bob Geldof immer zuerst.

Nicht zuletzt, weil er durch die Königin des Vereinigten Königreichs geadelt wurde und sich seitdem als „Knight Commander Of The British Empire“ auch Sir Bob Geldof nennen durfte. Midge Ure hingegen wurde diese Ehre erst zwanzig Jahre später zugesprochen. Aufgrund seiner schottischen Herkunft jedoch lediglich als „Officer of The Order of the British Empire“. Erstaunlich, weil Bob Geldof Ire ist und demnach ebenfalls nicht als Sir bezeichnet werden dürfte. Jahre später wurde Midge erneut nach diesem einmaligen Spektakel gefragt. Er meinte dass es nach all den Jahren noch gewachsen und grösser geworden ist, als er sich jemals hätte vorstellen können. Noch heute kräuseln sich seine Nackenhaare, wenn er zur Weihnachtszeit im Supermarkt „Do They Know It’s Christmas“ hört.

Auch beim All-Star-Benefizkonzert Live Aid im Jahr 1985 überzeugte Midge mit Ultravox vor fast zwei Milliarden Menschen. Ultravox lieferte einen beeindruckenden Auftritt mit „One Small Day“ als erstem Song. Mit Blick auf die 72.000 Menschen, die das Londoner Wembley-Stadion besuchten, beobachtete er, wie sie zu „Vienna“ klatschen. „Dies war definitiv ein Highlight“, sagte Ure. „Wir hatten achtzehn Minuten für unseren Auftritt und wurden vorher gewarnt. An der Seite der Bühne stand eine Ampel. Grün zu Beginn und nach 16 Minuten stellte sie sich auf Gelb. Und wir hofften, dass alle es bemerken, wenn sie nach achtzehn Minuten auf Rot umspringt.“ sagte er lachend. „Dies war der einzige Weg, wie alle Künstler den Zeitplan einhalten konnten.“

Bis zum heutigen Tag ist Midge ein Treuhänder von Band Aid, die die laufenden Erlöse aus beiden Fond-Raisings weiter verteilen. Den ersten Ratschlag bekamen Ure und Geldof von George Harrison hinsichtlich dessen Erfahrungen mit dem bahnbrechenden „Rock 1971 Charity-Event - The Concert for Bangladesh“. Harrison sagte: “Holen Sie sich einen guten Buchhalter!“ Midge darauf. „Das haben wir dann getan und wir haben noch immer die gleichen Buchhalter. So sind wir auch nach 28 Jahren immer noch da“ (Ure und Geldof organisierten auch die Follow-up Mega-Show: Live 8 im Jahr 2005.)

 
 

BAND AID 20

Ebenfalls noch in 2004 widerspricht sich Ure selbst und beteiligt sich entgegen früherer Aussagen doch an der erneuten Veröffentlichung von „Do They Know It’s Christmas“ unter dem Projektnamen Band Aid 20+. Falls man von einer neuerlichen Teilnahme überhaupt sprechen kann, da er seit 1985 nie den Kontakt verloren hatte. Bereits 1989 gab es eine erste Neuauflage unter dem Namen Band Aid II u. a. mit Bananarama, Bros, Jason Donovan, Kevin Godley, Kylie Minogue, Chris Rea, Jimmy Sommerville, Lisa Stansfield und Wet Wet Wet. In Großbritannien auf Platz 1, scheiterte er aber aufgrund seiner zu poppigen Ausrichtung in allen anderen Ländern. Eigentlich hatte Midge nach wie vor nicht vor, den Song erneut aufzunehmen. Doch als Bob Geldof ihn anrief und das Ganze für eine sehr gute Idee hielt, stimmte er zu. Nur dass Geldof sich anschließend für eine Fernsehshow in den Kongo absetzte und die Studioarbeit Midge überließ.

Fran Healy von Travis und Chris Martin von Coldplay waren 2004 von Anfang an mit dabei und wie schon zwanzig Jahre zuvor meldeten sich die Künstler von selbst, um teilnehmen zu dürfen. Im Vergleich zum ersten Projekt musste jetzt aber kein neuer Song geschrieben, sondern der Klassiker von damals unter Verwendung neuer Sounds auf allen Ebenen dem aktuellen Zeitgeist angepasst werden. Es beteiligten sich Künstler u. a. wie Dido, die Sugarbabes, Robbie Williams, Katie Melua, Feeder, Thom Yorke und Johnny Greenwood (beide Radiohead), Keane, Justin Hawkins von The Darkness, Beverly Knight, Busted, Danny Goffey von Supergrass, Will Young, Natasha Bedingfield, Snow Patrol, Joss Stone, Rachel Stevens, The Thrills, Lemar, Estelle oder Dizzee Rascal. Die einzigen Künstler älteren Jahrgangs waren Paul McCartney, der den Bass einspielte und Bono. Jetzt war er der Superstar und niemand konnte sich vorstellen, dass jemand außer ihm selbst seinen Gesangspart anders oder besser singen würde. Insgesamt war es beabsichtigt, die Neuauflage des Songs der Jugend zu überlassen, wobei der Einbau des Rap-Parts nicht überall positiv angenommen wurde. Für das Coverdesign der neuen Single zeigte sich Damien Hurst verantwortlich.

Aufgenommen wurde der Song am 17. November 2004 in den Londoner Air Studios und am 29. November dann veröffentlicht. In Großbritannien reichte es natürlich wieder zum Spitzenplatz der Charts, in dem sich „Do They Know It’s Christmas“ jetzt elf Wochen hielt. In Deutschland reichte es zwar nur zu Platz 7, doch hielt sich der Song dafür einundzwanzig Wochen in den Charts.

 

LIVE8

Im Sommer 2005 folgt unter dem Motto Live8 das entsprechende Benefizkonzert, an dem zum größten Teil die Künstler beteiligt waren, die ein halbes Jahr zuvor auch „Do They Know It’s Christmas“ neu aufgenommen hatten. Auch Midge steht auf der Bühne und spielt wie schon 1985 „Vienna“. Allerdings ohne den Rest von Ultravox. Am Ende dann ein Bild mit Aussagekraft, als Bono, Bob Geldof und Midge Ure die Arme in den Himmel gestreckt zum zweiten Mal Geschichte schreiben. Derweil kommt Midge in Deutschland bei Hypertension unter. Als erste Amtshandlung wird die DVD „Sampled Looped And Trigger Happy“ unter dem Namen „Re*Live“ neu veröffentlicht.

 

BAND AID 30

Am 10. November 2014 gaben Bob Geldof und Midge Ure bekannt, dass kurz vor Weihnachten eine neue Version von „Do They Know It’s Christmas“ veröffentlicht werden wird. Einerseits aufgrund des 30jährigen Jubiläums des Songs an sich als auch des Band Aid-Trusts und andererseits, um die Bekämpfung der verheerenden Ebola-Epidemie in Teilen Westafrikas finanziell zu unterstützen.

Zu den teilnehmenden Künstlern gehören u. a. One Direction, Sam Smith, Ed Sheeran, Emeli Sandé, Ellie Goulding, Rita Ora. Bastille, Guy Garvey (Elbow), Chris Martin (Coldplay) und - als Einziger zum dritten Mal mit dabei - Bono von U2. Sowohl musikalisch als auch textlich bekam der Song - wie es auch schon bei Band Aid 20 der Fall war – ein Update. Den aktuellen Ereignissen entsprechend wurden die Textzeilen „Where a kiss of love can kill you“ („Wo ein Kuss der Liebe dich töten kann“) und „And there is death in every tear“ („Und es ist der Tod in jeder Träne“) eingefügt. Die sind ein ausdrücklicher Hinweis darauf, dass sich das Ebola-Virus durch die Übertragung von Körperflüssigkeiten verbreitet.

Auch in Deutschland kam es unter der Federführung von Campino sowie namhaften Künstlern (u. a. Philipp Poisel, Clueso, Seeed, Andreas Bourani, Jan Delay, Michi Beck, Max Herre, Cro, Sportfreunde Stiller, Silbermond, Max Raabe, Wolfgang Niedecken, Udo Lindenberg, Peter Maffay, Thees Uhlmann, Patrice, Adel Tawil, 2raumwohnung, Donots, Jennifer Rostock) erstmalig zu einer Veröffentlichung des Songs auf Deutsch. Allerdings sah sich das Projekt hier dem Vorwurf ausgesetzt, dass die Thematik „Ebola“ (auch aufgrund des Logos) auf den ganzen afrikanischen Kontinent ausgeweitet wird, obwohl eigentlich nur drei Länder im westlichen Bereich Afrikas betroffen seien. Außerdem würde Afrika durch die Art der Darstellung zu sehr in eine Art Opferrolle gedrängt. Campino machte in einem Interview deutlich, dass die eigenen Eitelkeiten weniger wichtig seien, als der Kampf gegen Ebola. Und er zeigt keinerlei Verständnis für die Menschen, die sich lediglich abfällig das Projekt äußern, statt den Blick auf das Wesentliche zu richten. Ungehalten reagierte er auch auf die Frage, was denn mir den Spendengeldern geschehen würde und stellte klar, dass die Wege sämtliche Spendengelder nachvollziehbar sind.

 
 

NELSON MANDELA 70TH BIRTHDAY TRIBUTE

Der Name hinter diesem am 11. Juni 1988 im Londoner Wembley Stadium stattfindendem Event lautet Tony Hollingsworth. Bereits 1986 setzte er sich mit Jerry Dammers, Sänger von The Specials („Free Nelson Mandela“ 1984) und Gründer der Artists Against Apartheid (AAA) in Verbindung. Zunächst wollte Hollingsworth in seiner Tätigkeit für das Greater London Council (GLC) eine Unterstützung für das AAA bewerkstelligen, was aber daran scheiterte, dass das AAA keine rechtlich anerkannte Organisation war. Und Dammers zeigte auch wenig Interesse, das zu ändern. Hollingsworth hatte vorher bereits einige Konzerte und Festivals auf die Beine gestellt. Und so schlug er Dammers vor, dass er ihm ein Anti-Apartheid Konzert organisieren würde, wenn Dammers ihm dafür einen oder mehrere namenhafte Künstler nennen könnte, die sich zur Teilnahme zur Verfügung stellen würden. Der Rückruf erfolgte dann sechzehn Monate später im Juni 1987, in dem Dammers die Simple Minds ins Spiel brachte. Allerdings schwebte denen Edinburgh als potenzieller Austragungsort vor, was nicht Hollingsworths Vorstellung entsprach.

1988 würde Mandela seinen 70. Geburtstag feiern und etwas anderes, als ein multimediales Spektakel im Londoner Wembley Stadium kam für ihn nicht in Frage. Es musste der Ort sein, an dem bereits fünf Jahre zuvor Live Aid stattgefunden hatte. Ab diesem Punkt begab sich Hollingsworth auf den schmalen Grat der Eitelkeiten derer Künstler, die er von seinem Vorhaben überzeugen wollte. So besuchte er Sting in der Schweiz, welcher ihn in Unterhose auf seinem Hotelzimmer empfing. Letztendlich eröffnete Sting das Konzert, für das er eigens seine Tour unterbrach. Bei der Festlegung der Reihenfolge und Auswahl der Künstler musste Hollingsworth schon fast diplomatische Eigenschaften an den Tag legen, um Ansprüchen und Bedenken der Künstler gerecht zu werden.

So traten auch damalige Größen wie die Dire Straits, George Michael, Whitney Houston, UB40 sowie Migde Ure mit seiner „All-Star-Band“ u. a. bestehend aus Mick Karn, Eric Clapton, Phil Collins und Tracy Chapman auf, die an diesem Tag unverhofft zu doppelten Ehren kam. Stevie Wonder wollte unbedingt an diesem Event teilnehmen und flog extra aus den Staaten an. Die Instrumente standen bereits auf der Bühne, als das Fehlen einer Festplatte für sein Piano bemerkt wurde.

Untröstlich musste sein Gig abgesagt werden und Tracy Chapman sprang nur mit ihrer akustischen Gitarre ein, um die Zeit für den Umbau zu überbrücken. Hinzu kam, dass das Publikum davon kaum etwas mitbekam, weil Wonders Auftritt als Überraschung geplant war. Immerhin gelang es noch, dass er vor dem finalen Auftritt der Dire Straits „I Just Call To Say I Love You“ performen konnte.

Das Konzert wurde weltweit - von Südafrika abgesehen - übertragen. Auch in den Staaten wurde es, wenn auch aufgrund der Zeitverschiebung zeitversetzt, weitestgehend komplett ausgestrahlt. Ausnahme war der US-Sender Fox mit Eigentümer Rupert Murdoch. Der sah sich in einem wirtschaftspolitischen Dilemma und fürchtete Konflikte mit Sponsoren. So kürzte der Sender die zumeist politischen Statements der auftretenden Künstler, unter ihnen auch US-Schauspieler wie Whoopie Goldberg oder Denzel Washington, oder schnitt gleich ganze Songs wie Steven van Zandts „Sun City“, der sich kritisch mit der südafrikanischen Vergnügungsstadt auseinandersetzte, heraus. So durfte auch Queen an dem Konzert nicht teilnehmen, weil sie selbst zuvor schon in Sun City aufgetreten waren. Letztendlich aber erreichte das Konzert sein Ziel, die Welt über die Apartheid in Südafrika und die Inhaftierung von Nelson Mandela zu informieren und wachzurütteln. Auch mit Erfolg für Nelson Mandela selbst, da er zwanzig Monate später nach siebenundzwanzig Jahren Haft entlassen und zum Präsidenten Südafrikas gewählt wurde.

 
 

IF I WAS - AN AUDIO AUTOBIOGRAPHY

Auf die Frage, ob er seine Biographie selbst geschrieben hätte, antwortete Midge in einem Interview einmal, dass diese dann vermutlich immer noch nicht fertig wäre.

So kam es 2004 zur Veröffentlichung von „If I Was“ als Buchversion mit Hardcover. Als Besonderheit bekamen die ersten hundert Besteller eine handsignierte Ausgabe mit entsprechender Wunschwidmung, die vorher zusammen mit der Bestellung verschickt wurde. Einige Jahre später erfolgte ein Update, welches aber „nur“ noch als Taschenbuch herausgebracht wurde. Das dritte „Update“ hingegen wurde gar nicht mehr gedruckt, sondern erschien in Form eines elektronischen Datenträgers. Dazu aber später mehr.

An dieser Stelle sei zunächst drauf hingewiesen, dass jetzt keine Rezension oder eine Inhaltsangabe des Buches folgt. Denn auf die Geschichte von Midge Ure ist bereits zuvor in seinem Kapitel - auch mit seiner Biographie als wertvolle Quelle - ausgiebig eingegangen worden. Der Vollständigkeit halber ist es natürlich Pflicht darauf einzugehen, zumal der Leser als Fan Ures komplette Geschichte von seiner Kindheit an bis zum Beginn seines musikalischen Werdegangs beginnend mit Salvation und Slik, den Rich Kids und Thin Lizzy erfährt. Mit der Fortsetzung bei Visage und Ultravox sowie seiner Solo-Karriere einschließlich der Projekte, an denen er mitwirkte. Sei es seine Tätigkeit als musikalischer Direktor der Prince’s Trust Benefizkonzerte 1986 bis 1988, Band Aid 1984, Live Aid 1985 oder das Konzert anlässlich des Geburtstages von Nelson Mandela 1988. Dazu beinhaltet das Buch ein paar Fotos aus dem Privat-Album der Familie Ure sowie einige aus der Anfangszeit seiner musikalischen Laufbahn.

Aber die Biographie beinhaltet natürlich wesentlich mehr als nur die Aufzählung seiner Erfolge. Wer einen Blick hinter die Kulissen aus Sicht von Midge Ure werfen möchte und seine Biographie noch nicht kennt, sei hiermit darauf verwiesen. Der Leser wird einige, wenn auch nicht alle Hintergründe erfahren, die zum Rauswurf von Warren Cann und zur fast schon zwangsläufigen Trennung von Ultravox führten. Oder warum „Answers To Nothing“ aufgrund von opportunistischen Machtkämpfen innerhalb seiner Plattenfirma kein Erfolg werde konnte, warum „Pure“ auf einem Label erschien, der für die Art von Musik, wie Ure sie macht, eigentlich ungeeignet war und warum er Anfang der Neunziger mehr gezwungen als gewollt auf eine Singer-Songwriter-Tour ging.

Wie er in finanzielle Schieflage geriet und sich aufgrund alter Songs aus der Zeit von Visage und Ultravox mit rechtlichen Ansprüchen Billy Curries konfrontiert sah. Wie er mit dem anfänglichen Misserfolg von „Breathe“ fertig werden musste, bevor die gleichnamige Single dank der Swatch-Werbung die europäischen Charts stürmte. Wie sich die Geschichte von „Pure“ mit „Move Me“ wiederholte und warum seine Überzeugung, weiterhin gute Musik zu machen, keine Anerkennung fand, der Erfolg ausblieb, den andere Künstler seiner Generation hatten und er in ein tiefes Motivationsloch fiel.

Auf fast schon tragische Weise dokumentiert Ure, wie er seit 1988 stetig gegen die Maschinerie des Musikbusiness ankämpfte und dabei zu der Erkenntnis gekommen ist, zu oft zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen zu sein. Als Opfer von Umständen, die er trotz eigener Interventionen nicht beeinflussen konnte. Und von denen er noch einige Jahre zuvor nie geglaubt hatte, sie als erfolgreicher Musiker jemals erleben zu müssen. Das alles führt den Leser zum Kapitel „My Brother Jack“, welches wohl so ziemlich jeden Fan mit einem hohen Maß von Unfassbarkeit gelesen haben wird. Denn nur die engsten Bekannten wussten von Ures enormen Alkoholproblemen, weshalb dieses öffentliche Outing wie eine Bombe einschlug. Ure öffnet seine Seele. Und er schreibt darüber, wie er tatsächlich glaubte, besser als andere Musiker zu sein und wie er lernen musste, mit diesem Irrtum umzugehen. Der Sturz vom Gipfel des Ruhms, um aus der Talsohle heraus wieder einen Punkt der Zufriedenheit inmitten objektiver Realität zu erreichen. Er spricht auch über seine Frau, seine Kinder, seine Eltern. Über sein Leben für und sein Leben neben der Musik.

Im November 2005 folgte das erste Update als Taschenbuch. Ausschlaggebend dafür waren in erster Linie die Ereignisse rund um Band Aid 20 sowie dem darauf folgendem Konzert Live 8. Im Februar 2014 stellte Midge Ure in einer Präsentationsveranstaltung der Presse und den Fans dann ein weiteres Update seiner Biographie mit dem Titel „If I Was-An Audio Autobiography“ vor. Wir es der Titel bereits ausdrückt, handelt es ich im Gegensatz zu den vorherigen Veröffentlichungen bei dieser Version um ein Hörbuch und nicht um eine Druckausgabe. Dabei ist es Ure selbst, der seine Geschichte erzählt, welcher er die Kapitel „New Beginnings“, „Return To Eden“, „Strings To My Bow“ sowie einen erweiterten „Epilog“ hinzugefügt hat.

Darin schildert er schildert aus seiner Sicht, wie die zuvor nie für möglich gehaltene Reunion von Ultravox doch Realität wurde, wie die ersten Treffen nach Jahren der Kontaktlosigkeit mit seinen ehemaligen Bandkollegen abliefen, was es für ihn bedeutete, mit dem Rest von Ultravox wieder Musik zu machen und gemeinsam auf der Bühne zu stehen. Und er spricht hinsichtlich seiner privaten Erlebnisse über den Tod seiner Eltern.
Es war zunächst angedacht, eine deutsche Übersetzung zu produzieren. Doch die wäre nur erschienen, wenn sich ausreichend Fans verbindlich zur Abnahme bereits erklärt hätten. Das Vorhaben scheiterte.

Außergewöhnlich und für Ure dann doch auch irgendwie typisch, ist das Medium des Hörbuchs. Denn der USB-Stick ist nicht nur wegen seines Inhalts, sondern insbesondere wegen seiner der Form einer Kreditkarte ein mehr als begehrtes Sammlerobjekt für die Fans. Wie schon bei der Veröffentlichung seines ersten Buches, wurde auch hier eine limitierte Anzahl der ersten Bestellungen signiert ausgeliefert. Neben dem eigentlichen Hörbuch gibt es auch Bonusmaterial: Die Bilder der Druckversion, Fan-Bilder, das Instrumentalstück „Bridges“ (später auch Bestandteil der „Fragile“), Live-Videos und noch ein paar andere Kleinigkeiten.